15.05.2026

Unfaire Leerkündigungen treffen die arbeitende Bevölkerung

Nach 46 Jahren verlor Doris Gerber durch eine unfaire Leerkündigung ihr vertrautes Zuhause in Langnau am Albis. Die neue Wohnung der langjährigen Migros-Mitarbeiterin kostet doppelt so viel wie vorher.

Anfangs 2025 erhielten hunderte Mietende in Langnau am Albis die Kündigung. Geplant war eine etappenweise Sanierung. Die Eigentümerin hielt sich jedoch nicht an die Vereinbarung mit der Gemeinde, welche die Siedlung im Gegenzug für eine sozialverträgliche Sanierung aus dem Ortsbildschutz entlassen und für eine Verdichtung umgezont hatte.

Langnau am Albis ist kein Einzelfall. Die Kündigungswelle droht überall im Kanton Alteingesessene aus ihrem Zuhause zu verdrängen. Oft wird preisgünstiger Wohnraum abgerissen, um die bestehende Mieterschaft loszuwerden. Laut ETH ist vor allem die arbeitende Bevölkerung mit tiefem Einkommen betroffen. Bis zu 50 % der Leergekündeten verlassen danach ihre Gemeinde. Doris und Heinz Gerber fanden zwar eine neue Bleibe, die kostet jedoch doppelt so viel wie vorher. Ein Blick auf die Stadt Zürich zeigt zudem, dass selbst neuere Wohnungen keine 100-prozentige Sicherheit bieten: Teils werden sogar in den 2000er-Jahren sanierte Wohnhäuser abgerissen, um noch teurere Wohnbauten zu erstellen.